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„Wer KI versteht und selbst anwendet, kann sein Unternehmen aktiv gestalten“

In der #vorarlbergerwirtschaft, unserem Magazin, haben wir in der Ausgabe #008 einen Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz gelegt. Das ist das vollständige Interview in Ergänzung zum Artikel auf Seite 21. 

Beim CEO-Hackathon zu KI-Anwendungen ging es nicht um fertige Prototypen, sondern darum, dass Führungskräfte selbst zu Anwendern werden. Markus Comploj, CEO der Getzner Holding, hat danach mit uns über seine Eindrücke gesprochen – über neue Möglichkeiten statt reiner Kosteneinsparung, über KI als Führungsaufgabe und darüber, warum er beim Thema selbst vorangehen will.

Ging es bei deinem „Use Case“ eher um Kosteneinsparung im Bestehenden – oder um Dinge, die vorher zu teuer oder zu langsam waren und jetzt plötzlich möglich erscheinen?

Für mich stand nicht die Kosteneinsparung im Vordergrund. Viel spannender war die Erkenntnis, dass plötzlich Dinge möglich werden, die bisher zu langsam, zu aufwendig oder schlicht nicht wirtschaftlich waren. KI ermöglicht es, Wissen wesentlich schneller aufzubereiten, Entscheidungen besser vorzubereiten und komplexe Aufgaben in kürzerer Zeit zu bearbeiten. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Innovation und Wachstum, nicht nur für Effizienz.

Ist im Hackathon eine klare Vorstellung entstanden, wohin sich dein Unternehmen mit KI entwickeln sollte – oder ist es bei einzelnen, isolierten Anwendungsfällen geblieben?

Der Hackathon hat deutlich gemacht, dass KI kein einzelnes Projekt ist, sondern ein Querschnittsthema für das gesamte Unternehmen. Natürlich beginnt man mit konkreten Anwendungsfällen, aber die eigentliche Erkenntnis war, dass sich Arbeitsweisen, Entscheidungsprozesse und Wissensmanagement grundlegend verändern werden. Es geht weniger um einzelne Tools als um die Frage, wie Menschen und KI künftig zusammenarbeiten.

Wie hast du dich während des Hackathons gefühlt: als Treiber des Themas, oder eher als Teilnehmer eines Programms, das andere für dich gestaltet haben?

Eindeutig als aktiver Teilnehmer und Mitgestalter. Gerade bei einem Thema wie KI reicht es nicht, sich Berichte oder Präsentationen anzusehen. Man muss selbst experimentieren, eigene Fragestellungen bearbeiten und die Möglichkeiten und Grenzen erleben. Nur so kann man später im Unternehmen glaubwürdig Orientierung geben.

Was wirst du konkret tun, damit dein Team merkt, dass du dich selbst ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hast – nicht nur, dass du „dabei warst“?

Der wichtigste Schritt ist, KI selbst konsequent im Arbeitsalltag einzusetzen. Ich möchte eigene Erfahrungen sammeln, erfolgreiche Anwendungsfälle sichtbar machen und diese mit meinen Teams teilen. Führung beginnt hier mit Vorleben. Wenn Mitarbeiter sehen, dass die Geschäftsleitung die Werkzeuge selbst nutzt und deren Potenzial versteht, entsteht eine ganz andere Dynamik als durch reine Strategievorgaben.

Gab es im Hackathon einen Moment, in dem du etwas radikal in Frage gestellt hast, das du vorher für selbstverständlich gehalten hast?

Ja. Ich habe erkannt, dass viele wissensbasierte Tätigkeiten, die wir heute als festen Bestandteil administrativer Arbeit betrachten, künftig völlig anders organisiert werden könnten. Die Frage lautet nicht mehr, wie wir bestehende Prozesse etwas effizienter machen, sondern welche Prozesse möglicherweise gar nicht mehr in ihrer heutigen Form notwendig sind.

Hast du gespürt, dass kurze Wege und schnelle Entscheidungen in deinem Unternehmen ein Vorteil sein könnten – oder eher, dass Größe und Bürokratie dem im Weg stehen?

Ich glaube, dass gerade mittelständische Unternehmen einen großen Vorteil haben. Kurze Entscheidungswege, unmittelbarer Austausch und eine hohe Umsetzungsorientierung ermöglichen es, neue Technologien rasch zu testen und produktiv einzusetzen. Die Herausforderung liegt weniger in der Technologie als darin, die notwendige Offenheit und Lernbereitschaft in der Organisation zu fördern.

Hat dir der Hackathon geholfen, konkret zu denken, wie freiwerdende Ressourcen oder Kapazitäten sinnvoll woanders eingesetzt werden könnten – zum Beispiel näher am Kunden?

Absolut. Der größte Nutzen liegt meiner Meinung nach nicht im Personalabbau, sondern darin, Menschen von Routineaufgaben zu entlasten. Die gewonnene Zeit kann für wertschöpfende Tätigkeiten genutzt werden: für Kundenkontakte, Innovation, Problemlösung und persönliche Zusammenarbeit. Dort entsteht letztlich auch die größte Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb.

Was ist dein erster konkreter Schritt nach dem Hackathon – bzw. bis wann willst du ihn gegangen sein?

Mein erster Schritt ist, KI konsequent in meinen persönlichen Arbeitsalltag und meine Führungsarbeit zu integrieren. Gleichzeitig möchte ich im Unternehmen erste konkrete Anwendungsfälle identifizieren, die rasch Nutzen stiften und als Anschauungsbeispiele dienen können. Das sollte nicht in Monaten, sondern in Wochen sichtbar werden. Entscheidend ist, vom Reden ins Tun zu kommen.

Zum Abschluss: Was bleibt dir vom Hackathon am meisten in Erinnerung?

Der Hackathon hat mir gezeigt, dass KI nicht primär ein IT-Thema ist. Sie wird zur zentralen Führungs- und Wettbewerbsfrage der nächsten Jahre. Wer sie versteht und selbst anwendet, kann sein Unternehmen aktiv gestalten. Wer abwartet, wird gestaltet werden.

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