#positionen

8. Jan. 2024 | Allgemein

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#positionen

8. Jan. 2024 | Allgemein

In einer Zeit, in der sich wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen rasch verändern, ist es essenziell, eine klare Haltung zu beziehen und Orientierung zu geben. Mit unseren #positionen nehmen wir diese Verantwortung ernst und schaffen eine Plattform für klare Botschaften zu essenziellen Herausforderungen für das Unternehmertum und die Gesellschaft. Damit fördern wir eine offene und transparente Diskussion. Unsere #positionen sollen unser Engagement für eine florierende Wirtschaft und einen starken Standort Vorarlberg untermauern. In dieser Ausgabe widmen wir uns dem Arbeitsmarkt und dem Handel.

Der Arbeitsmarkt braucht jetzt Lösungen

Die Erwerbsprognose bis 2050 sagt für Vorarlberg eine herausfordernde Zukunft voraus. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Erwerbspersonen jedoch lediglich um rund 4500 Personen ansteigen, während die Gesamtbevölkerung um rund 45000 Personen anwachsen wird. Das belegt, dass wir alle verfügbaren Ressourcen am Arbeitsmarkt einsetzen müssen. Wir verfolgen fünf Verbesserungsvorschläge. 

Erleichterung für ältere Arbeitnehmerinnen und -nehmer 
Angesichts der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt ist es wichtig, alle Potenziale bestmöglich auszuschöpfen. Gerade ältere Zielgruppen könnten unter verbesserten Rahmenbedingungen für den Arbeitsmarkt gewonnen werden. Menschen, die freiwillig in einem gewissen Ausmaß auch in der Pension weiterarbeiten würden, sollen das auch können. Auch Unternehmen können von dem Wissen erfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren.

↗ Es braucht finanzielle Erleichterungen für die Arbeitnehmerinnen und -nehmer. Gut, dass die Bundesregierung diese Forderungen schrittweise umsetzt.

Leistung muss sich lohnen – Überstunden müssen attraktiver werden
Seit 2019 hat die Anzahl der geleisteten Überstunden stark abgenommen. Der Grund ist naheliegend: Überstunden sind finanziell nicht attraktiv. Die Bundesregierung hat inzwischen eine zeitlich befristete Verbesserung vorgenommen.

↗ Um die Wirtschaft nachhaltig zu unterstützen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dauerhaft mehr finanziellen Anreiz und entsprechende Anerkennung für ihre Mehrleistung anzubieten, muss die zeitliche Befristung abgeschafft sowie der Freibetrag weiter erhöht und regelmäßig indexiert werden.

Qualifizierte Zuwanderung
Die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften muss weiter erleichtert werden. Vorarlberg zählt zu den attraktivsten Regionen Europas, dementsprechend können unsere Unternehmen von erleichterten internationalen Rekrutierungsmöglichkeiten profitieren. Die Rot-Weiß-Rot-Card wurde bereis reformiert und verbessert, die Novelle trat mit 1. Oktober 2022 in Kraft.

↗ Neben der Rot-Weiß-Rot Karte bedarf es auch eines neuen Verständnisses von qualifizierter Zuwanderung, gerade im Kontext von gesellschaftlicher Wertschätzung dieser dringend benötigten Fachkräfte für die Zukunft unserer Wirtschaft. Qualifizierte Zuwanderung bedeutet jedoch auch, dass ein attraktiver Arbeitsmarkt der Magnet für Fachkräfte ist und qualifizierte Zuwanderung und Asyl klar zu unterscheiden sind.

Weiterer Ausbau der Kinderbildung und -betreuung
Zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zur Unterstützung der Familien in ihren Bildungs- und Erziehungsaufgaben ist im neuen „Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz“ verankert, dass Kindern ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen muss.

↗ Personen mit Betreuungspflichten muss die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit deutlich erleichtert werden. Damit würden dem Arbeitsmarkt mehr Personen zur Verfügung stehen.

Qualifizierung und Weiterbildung
Die vor einem Jahr neu gegründete Gesellschaft zur Förderung des Vorarlberger Arbeitsmarkts (FAV) setzt das Arbeitsprogramm für den Zeitraum 2023 bis 2025 konsequent um und schafft damit eine Basis für eine zielorientierte Maßnahmenentwicklung. Die Fördergesellschaft ist ein zusätzliches Instrument, um Arbeitskräfte aus- und weiterzubilden. Als agile Koordinationsstelle initiiert und begleitet sie diese Maßnahmen und unterstützt die verantwortlichen Akteure bei der Umsetzung.

↗ Durch gezielte Qualifizierung und Weiterbildung soll treffsicher und auf die Bedürfnisse der Vorarlberger Wirtschaft ausgebildet werden.  

Einzelhandel braucht Raum für Entwicklung

Die aktuelle Kaufkraftstrom- und Einzelhandelsstrukturanalyse, welche die hohe Wettbewerbsfähigkeit des Vorarlberger Einzelhandels aufzeigt, ist eine wichtige Grundlage für raumplanerische und wirtschaftspolitische Entscheidungen auf lokaler, regionaler und landesweiter Ebene. Insbesondere im Angesicht der Tatsache, dass der Online-Handel der stärkste Konkurrent des Einzelhandels ist. Zudem belastet uns das attraktive Angebot des benachbarten Auslands aus Lindau und dem Kanton St. Gallen. Dennoch ist der stationäre Einzelhandel ein relevanter Wirtschaftsfaktor, Nahversorger und Arbeitgeber, mit hervorragenden Produktivitätsdaten und attraktiven Handelszonen. Diesem zunehmenden Wettbewerbsdruck muss dementsprechend mit einer gezielten Stärkung des stationären Handels im Land begegnet werden.

↗  Unsere Betriebe brauchen Raum für Entwicklung. Zusätzliche Handelsflächen müssen in erster Linie dort geschaffen werden, wo das Potenzial besteht, verlorene Kaufkraft wieder zurückzugewinnen. Bei neuen Flächen müssen qualitativ hochwertige und insbesondere neue Anbieter und Flagship-Stores fokussiert werden. Ein „More of the same“ muss verhindert werden. Vor diesem Hintergrund ist auch die positive Entscheidung zur Messeparkerweiterung zu sehen.

Stärkung der Orts- und Stadtzentren
Das eine tun, ohne das andere zu lassen: Mitten im Rheintal verträgt Vorarlberg mit dem Messepark ein zukunftstaugliches Einkaufszentrum. Trotzdem müssen wir alles daransetzen, dass Orts- und Stadtzentren weiterentwickelt und gestärkt werden. Darüber hinaus ist die Erhaltung der Lebensmittel-Nahversorgung im ländlichen Raum ein Gebot der Stunde. Die Nahversorgungsförderung des Landes Vorarlberg sowie die Betriebskosten- und Investitionszuschüsse werden ebenso unterstützt wie bauliche Maßnahmen bei Lebensmittelgeschäften und Dorfläden. 

↗  Der Wirtschaftsbund setzt sich dafür ein, dass diese finanziellen Unterstützungsleistungen nachhaltig ausgebaut werden.

Dieser Artikel stammt aus dem Magazin Vorarlberger Wirtschaft #001.

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