Holz – der Stoff aus dem Bau(t)räume sind

25. Mrz. 2024 | Allgemein

© Foto: Ph.Salzgeber

Holz – der Stoff aus dem Bau(t)räume sind

25. Mrz. 2024 | Allgemein

Vom Status des Baustoff Holz.

Dass man mit dem Rohstoff Holz, der bedeutendste, den Österreich zur Verfügung hat, schon Jahrhunderte lang vor allem im alpinen Raum baute, ist hinlänglich bekannt. Dass es aber Holzkonstruktionen gibt, die nahezu 500.000 Jahre alt sind, ließ 2023 die Welt aufhorchen. In Sambia entdeckte ein Forscherteam die älteste bisher bekannte Holzkonstruktion der Erdgeschichte und dies lässt den Schluss zu, dass Holz und nicht Stein das Hauptmaterial für das konstruktive Schaffen der frühen Menschheit bildete. Es ist also durchaus gerechtfertigt, neben der Steinzeit auch von einer „Holzzeit” zu sprechen.

Der Status von Holz als Baustoff im Vergleich zu anderen Materialien wie Beton und Stahl zeigt sich heute so stark wie nie zuvor. Im Bereich des Wohnbaus hat sich der Holzbauanteil mit einer Steigerung von 10 auf 23 Prozent zwischen 1998 bis 2023 mehr als verdoppelt. Der größte Teil der Holzbau-Vorhaben im Wohnbau sind Zu- und Umbauten (44 Prozent), gefolgt von Einfamilienhäusern (37 Prozent) und Mehrfamilienhäusern (19 Prozent). Erfreuliche Zunahmen werden im öffentlichen Bau (Gemeinden, Land) und im gewerblichen Bau registriert.

„Der Status von Holz als Baustoff im Vergleich zu anderen Materialien wie Beton oder Stahl zeigt sich heute so stark wie nie zuvor. Der große Vorteil im Holzbau ist die Schnelligkeit und die unglaubliche Präzision.“

MATTHIAS AMMANN,
GESCHÄFTSFÜHRER DER VORARLBERGER HOLZBAU_KUNST

Unschlagbar ist Holz als nachwachsender Baustoff hinsichtlich des CO2-Fussabdrucks. Holz, sowohl als Baum wie als Baustoff, bindet CO2 und letztendlich wird Holz als Energieträger verwendet. Holz hat und hatte speziell im alpinen Raum den Status eines Lebensgutes, man denke an Schutzwald, Luftqualität, Erholung, Baustoff und Energieträger.

Wenn man von einer Kostenanalyse von Holz im Vergleich zu anderen Baustoffen ausgeht, so sprechen die meisten Analysen dazu eine klare Sprache: Holz liegt mit anderen Baustoffen etwa gleichauf. Berücksichtigt man noch die sogenannte „Graue Energie”, sprich jene Primärenergie, welche notwendig ist, um Gebäude zu errichten, wird der Holzbau schlussendlich günstiger sein. „Der große Vorteil im Holzbau ist die Schnelligkeit und eine unglaubliche Präzision. Die Zimmerer sind stolz darauf, dass sie auch bei großen Längen mit ihren Platten und Bindern auf den Millimeter genau hinkommen, während der Betonbau oftmals um mehrere Zentimeter danebenliegt”, so Matthias Ammann, der Gesch.ftsführer der vorarlberger holzbau_kunst, Mitinitiator von holzbau austria und Mitbegründer des 1. Vorarlberger Holzbaupreis.

Vorarlberger Holzbaupreis 2023: Gantner Innovation-Tower (Preis), Foto: A.Loacker

↓ Der urbane Holzbau ist europaweit im Vormarsch

Speziell in den Schweizer Städten, aber auch in Wien und Graz werden immer mehr Quartiersbauten und Lückenschlüsse in Holzbauweise gefertigt. Die Gründe: enorm kurze Baustellen dank passgenauer Vorfertigung, kaum Lärm und Staub sowie die bessere CO2 Bilanz. Die große Zeit des Holzbaus wird noch kommen, da sind sich die Analysten einig, vor allem weil die bauökologischen Vorgaben bei Investoren, Gemeindepolitikern und auf Bundesebene auf zunehmende Akzeptanz stößt. Das Land Vorarlberg konnte von 1998 bis in die frühen 2000er- Jahre rund 30.000 Architekturtouristinnen und -touristen jährlich zählen. Primär deswegen, weil auf so kleinem Raum unglaublich viele innovative Holzbauten stehen, beispielsweise allein in den Blumenegggemeinden, im Großen Walsertal und in Bludenz: Gemeindeamt Ludesch (Hermann Kaufmann), Gemeindeamt Raggal (Johannes Kaufmann), Volksschule Marul, Gemeindezentrum Blons, Kindergarten Thüringerberg (alle Bruno Spagolla), Gemeindezentrum St. Gerold (Cukrowicz Nachbaur Architekten) und Altstoffsammelzentrum Bludenz (Reinhold Hammerer). Nicht zu vergessen der gesamte Bregenzerwald, der als Holzbauarchitekturpark gesehen werden kann. Allerdings ist die Schweiz hinsichtlich des Architekturtourismus längst auf der Überholspur.

In der Schweiz wetteifern die Städte untereinander, wer wohl das höchste Holzhochhaus bekommt: Winterthur (Rocket), Zug (PI) oder Kanton Zug (Suurstoffi 22), um nur einige zu nennen. Im urbanen Raum in der Schweiz ist der Holzmischbau stark im Kommen. In Vorarlberg sind die ersten Gemeindebauten aus Holz im ländlichen Raum entstanden, in den Städten gibt es noch Luft nach oben, ganz im Gegensatz zur Schweiz.

Matthias Ammann wünscht sich für die Zukunft ein noch engeres Zusammenwachsen von Architektur, Handwerk und Ökologie auf Augenhöhe: „Mehr kluges Bauen und mehr hausverständige baurechtliche Rahmenbedingungen sowie ein faires Miteinander in der Wertschöpfungskette Holz, um mit dem Holzbau auf einen Marktanteil von 50 % zuzusteuern.”

Dieser Artikel stammt aus dem Magazin Vorarlberger Wirtschaft Ausgabe #002.

Autor: Thomas Schiretz ist Kulturredakteur und freischaffender Kurator.
Er war über viele Jahre Mitarbeiter im Kulturamt der Landeshauptstadt Bregenz.

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