© Foto: M.Schedler

Vorarlberg – ein Land der Kreativwirtschaft

Innovation, Gestaltungskompetenz und Machbarkeit.

Vorarlbergs Kreativwirtschaft steht im österreichweiten Vergleich beispielhaft da. Im Äquivalent zu Wien nimmt sich der Standort Vorarlberg mit einem Umsatzerlös von 656 Mio. Euro zu 12,5 Mrd. Euro bescheiden aus, rangiert aber in absoluten Zahlen immer noch vor Kärnten und dem Burgenland. Hingegen stehen Vorarlbergs Kreativunternehmen, gemessen an der Gesamtzahl der Unternehmen der Gesamtwirtschaft mit 9,1 % an ausgezeichneter dritter Stelle nach Wien (18,2 %) und Niederösterreich (9,2 %). Absoluter Spitzenreiter ist der Standort Vorarlberg in der Kreativwirtschaft im Bereich der Architektur (19 %), während Wien die Poleposition mit 23 % im Bereich für den Markt für darstellende Kunst hält.
Quelle: Neunter Österreichischer Kreativwirtschaftsbericht der Kreativwirtschaft Austria, 2021

Foto oben: Diskussionsrunde mit Bettina Steindl (Geschäftsführerin der CampusVäre) und Petra Zudrell (Direktorin des Stadtmuseums Dornbirn) in der CampusVäre.

Martin Dechant, Fachgruppenobmann für Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und Geschäftsführer von ikp Vorarlberg, sähe den Begriff der Kreativwirtschaft gerne etwas differenzierter. „Wir kaufen uns ein E, also kreative Wirtschaft“, so Dechant. Er spricht damit auf das Kreative in der Wirtschaft an, „Wirtschaft ist prinzipiell erfolgreich, wenn sie kreativ ist“. Kreativität setzt überall ein und geht weit über jene Sparten (Design, Musikwirtschaft, Radio/TV, Film/Fotografie, Architektur, Markt für darstellende Kunst, Buch und Verlagswesen, Werbung, Software und Games) hinaus, die unter dem Begriff Kreativwirtschaft reüssieren.

Neben betriebswirtschaftlichen sowie spezifischen Produktkenntnissen benötigt es vor allem Innovation und Kreativität in der Produktentwicklung. Benötigt werden interdisziplinäre Teams, die verkrustete Strukturen aufbrechen. Die großen Vorarlberger Unternehmen sind deshalb so erfolgreich, weil sie unterschiedliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Teams besetzen, in denen sich die Kreativität zu Wort meldet. Sie setzen auf Diversität, Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen oder beispielsweise verschiedene Denk- und Zugangsweisen. Eine der zukünftigen Aufgaben der kreativen Wirtschaft in Vorarlberg wird sein, Produkt, Design und Kreativität in Klein- und mittelständische Unternehmen hineinzubringen. Kleine Handwerksbetriebe landauf landab, wie der Gestaltungswettbewerb „Handwerk+Form“ im Werkraum Bregenzerwald haben Innovation, Gestaltungskompetenz und Machbarkeit vielfach schon vorgelebt.

„Man muss sich Gedanken machen, welche Kompetenz eine Führungskraft für die Zukunft haben muss.“

Martin Dechant

Es geht um Arbeitsinhalte, es geht darum, wer das System mit den Tools, die den Unternehmen zur Verfügung stehen, speist. Es geht um die Menschen dahinter, jene, die bereit sind, engagiert mitzuarbeiten. Es geht nicht darum alte Zöpfe abzuschneiden, es geht darum, sie neu zu flechten. Tradition muss neu definiert werden. „Allzu gerne verharren Unternehmen im Ist-Zustand“, so Dechant und „Unternehmen, nicht nur in Vorarlberg, befinden sich nach wie vor in einer starken Gründerabhängigkeit und in Übergabephasen. Man muss sich Gedanken machen, welche Kompetenz eine Führungskraft für die Zukunft haben muss. Soll das Bestehende bestehen bleiben? Welchen Weg wählen wir?“, bringt es Dechant auf den Punkt. Fragen, die nach Antworten verlangen.

Dieser Artikel stammt aus dem Magazin Vorarlberger Wirtschaft Ausgabe #001.

Autor: Thomas Schiretz ist Kulturredakteur und freischaffender Kurator.
Er war über viele Jahre Mitarbeiter im Kulturamt der Landeshauptstadt Bregenz.

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