Ein Besuch im Sporthotel Bachmann in Gargellen macht deutlich: Die großen Herausforderungen des ländlichen Tourismus lassen sich meistern – wenn Betriebe, Politik und Region an einem Strang ziehe
Fachkräftemangel, Klimawandel, Mobilitätsfragen, Saisonalität, Digitalisierung: Der Tourismus im ländlichen Raum steht europaweit vor tiefgreifendem Wandel. Wer aber wissen will, wie sich diese Herausforderungen in der Praxis angehen lassen, muss nicht lange suchen – ein Besuch im Sporthotel Bachmann in Gargellen liefert dafür eindrucksvolle Beispiele.
Gemeinsam mit Tourismuslandesrat Marco Tittler führten die Geschäftsführer Daniel und Alexaner Fritz am 15. September durch seinen Betrieb. Was dabei sichtbar wurde: Ein Familienunternehmen, das die großen Fragen der Branche längst zu eigenen Antworten gemacht hat.
Fachkräfte vor Ort binden statt europaweit suchen
Der Fachkräftemangel bleibt eine wichtige Herausforderung der Branche. Das Sporthotel Bachmann setzt dabei auf Qualität und Bindung: Aktuell entstehen 24 Mitarbeiterwohnungen. Das Ziel ist klar: als Arbeitgeber attraktiv sein, bevor der Wettbewerb um Fachkräfte überhaupt beginnt. Ein Modell, das zeigt, wie einzelne Betriebe und Regionen dem europäischen Trend etwas entgegensetzen können.
Klarheit statt Ganzjahreszwang
Der Klimawandel verschiebt die touristische Nachfrage saisonal – Nebensaisonen werden strategisch wichtiger, Ganzjahresfähigkeit gilt vielerorts als zentraler Wettbewerbsfaktor. In Gargellen zeigt sich, dass Klarheit mehr wert ist als Vollständigkeit: Ab Mitte September kann es im Herbst rasch ungemütlich werden, weshalb sich der Betrieb bewusst auf zwei starke Saisonen konzentriert – den Winter von Mitte Dezember bis Ostern und den Sommer von Anfang/Mitte Juni bis Mitte/Ende September. Statt sich in einer schwierigen Übergangszeit zu verzetteln, wird die Energie dort investiert, wo sie wirkt.
Qualität statt starrer Kriterien
Ein Anliegen, das Daniel Fritz besonders am Herzen liegt: die Reform der Sterneklassifizierung. Vorgaben wie das verpflichtende Telefon am Zimmer seien schlicht nicht mehr zeitgemäß. Sein Wunsch ist ebenso einfach wie einleuchtend: mehr Zeit beim Gast verbringen können, statt formale Kriterien abzuarbeiten. Es brauche, so Fritz, eine grundsätzliche Diskussion darüber, was Qualität im Tourismus heute wirklich ausmacht.
Mobilität mit Weitblick
Gerade im ländlichen Raum entscheidet die Mobilität über die touristische Zukunft: fehlende Anbindung der Talschaften, die „letzte Meile“, Alternativen zur An- und Abreise mit dem Pkw. Auch das Montafon kennt diese Fragen – aktuell dauert die Fahrt von Gargellen nach Schruns rund 40 Minuten. Daniel Fritz denkt dabei größer: Seine Vision ist die Verlängerung der Montafonerbahn bis St. Gallenkirch – ein Ausbauschritt, der genau jene Lücke schließen würde, die vielerorts den Umstieg auf sanfte Mobilität bremst.
Beim Rundgang wurde ein Gedanke besonders deutlich, den Landesrat Marco Tittler für die Kommunikation von Vorarlberg Tourismus formuliert hat: Es geht nicht um Rekordzahlen, sondern um Wettbewerbsfähigkeit. Eine Haltung, die bei Daniel Fritz auf offene Ohren stieß – und die zeigt, wie sehr Betrieb und Landespolitik hier an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.
Ein Betrieb als Kompass
Das Sporthotel Bachmann steht damit exemplarisch für das, was die Tourismusstrategie Vorarlberg 2030 in ihren acht Handlungsfeldern beschreibt – von Fachkräften und Arbeitsmarkt über Digitalisierung und Innovation bis hin zu Ökologie und Mobilität. Nicht jede Antwort ist bereits gefunden, aber die Richtung stimmt: mutig investieren, klare Prioritäten setzen, im Gespräch mit der Politik bleiben. Genau darin liegt die eigentliche Stärke ländlicher Tourismusregionen wie Gargellen: Sie sind nah genug an ihren Herausforderungen, um pragmatische Lösungen zu finden – und stark genug, daraus ein Zukunftsmodell für die ganze Branche zu machen.














