Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Das ist eine zentrale Standortfrage. Im Rahmen der Regionenwoche waren wir gemeinsam mit Landtagsvizepräsidentin Monika Vonier, den Abgeordneten Hanno Lecher und Clemens Ender sowie Stadtrat Thomas Fussenegger in Hohenems unterwegs. Unser Gastgeber war Markus Schadenbauer von der Schadenbauer Projekt- und Quartierentwicklung. Auf dem Programm standen eine Projektvorstellung, ein Spaziergang durch den Stadtkern mit Schwerpunkt auf dem neuen RathausQuartier und ein Kurzbesuch bei Sicheres Vorarlberg.
Gebaute Umwelt als Voraussetzung
Schadenbauers Ansatz ist klar: Die Strukturen unserer gebauten Umwelt entscheiden mit darüber, ob soziale und wirtschaftliche Synergien entstehen. Es geht darum, den genius loci zu stärken, also das, was einen Ort unverwechselbar macht. Drei Prinzipien stehen dabei im Zentrum:
- Sanieren vor Neubauen. Denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten, bewahrt das Gedächtnis eines Ortes und schont endliche Ressourcen.
- Mischung statt Monokultur. Unterschiedliche Wohnungstypen und öffentlich nutzbare Erdgeschosszonen machen einen Ort erst erlebbar und lebendig.
- Gezielte Ansiedlung. Ein Quartier funktioniert nur mit ausgewählten regionalen Handels- und Dienstleistungsbetrieben.
Nur wenn ein Quartier Menschen zusammenbringt und Lebensqualität schafft, rechnet sich die Immobilieninvestition auch langfristig. Rendite und Gemeinwohl sind hier kein Widerspruch, sondern Bedingung füreinander.
Rundgang: Vom Leerstand zur lebendigen Innenstadt
Beim Spaziergang durch den Stadtkern wurde aus dem Konzept Realität. Vor rund 20 Jahren standen in der Hohenemser Innenstadt zahlreiche Gebäude leer, und durch die Marktstraße rollten täglich Tausende Autos. Mit der Verkehrsberuhigung kam die Wende. In die Erdgeschosse zogen kleine Läden ein, die meist von ihren Eigentümerinnen und Eigentümern selbst geführt werden.
Das ist kein Zufall. Dahinter steht eine konsequente Zentrumsstrategie, die Stadt, private Investoren und Denkmalschutz über viele Jahre gemeinsam verfolgt haben, nicht nur über eine Legislaturperiode. Die Anerkennung reicht weit über Vorarlberg hinaus: Die Revitalisierung der Altstadt wurde unter anderem mit dem Österreichischen Bauherr:innenpreis 2023 und dem Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2024 ausgezeichnet.
Das RathausQuartier: Ein neues Stück Stadt
Besonders im Fokus stand das neue RathausQuartier am nördlichen Eingang zur Innenstadt. Auf dem rund 9.800 Quadratmeter großen Areal rund um die denkmalgeschützte Villa Iwan und Franziska Rosenthal ist ein Ensemble entstanden, das den historischen Stadtkern weiterschreibt, statt ihn zu kopieren. Entwickelt hat es die ARGE Schadenbauer – STC Development gemeinsam mit der Stadt. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 55 Millionen Euro.
Das Quartier besteht heute aus vier Teilen:
- Das neue Rathaus: Es hat sechs Geschosse in Holzhybridbauweise, wurde von Berktold Weber Architekten geplant und mit dem Vorarlberger Holzbaupreis ausgezeichnet. Alle Abteilungen der Stadtverwaltung sind hier unter einem Dach. Bisher waren sie auf bis zu vier Gebäude verteilt.
- Die Villa Rosenthal: Sie wurde sorgfältig saniert und ist heute Sitz des Literaturhauses Vorarlberg.
- Wohnen im Zentrum: In 77 Wohnungen leben über 200 Menschen. Geplant haben sie renommierte Vorarlberger Architekturbüros.
- Nutzungsmix: Im Erdgeschoss gibt es Geschäfte, Gastronomie und Dienstleister, darüber Büros. Dazu kommen eine Tiefgarage mit 167 Stellplätzen, davon 70 öffentlich, und ein öffentlicher Park.
Für uns ist das RathausQuartier ein Lehrstück. Wer Wohnen, Arbeiten, Verwaltung und Kultur an einem Ort bündelt, schafft Frequenz. Und Frequenz ist die Grundlage für jeden Betrieb im Zentrum. Gleichzeitig wächst die Stadt nach innen statt an den Rändern.
Kurzbesuch bei Sicheres Vorarlberg
Zum Abschluss machten wir einen Abstecher zu Sicheres Vorarlberg, das im RathausQuartier seine Büros bezogen hat. Die Organisation kümmert sich landesweit um Unfallprävention. Das Angebot reicht von Kindersicherheitsprogrammen für Familien bis zu kostenlosen Online-Fortbildungen für Trainerinnen und Trainer in Sportvereinen. Allein im Sport passieren in Vorarlberg jedes Jahr rund 12.400 Unfälle.
Prävention ist ein Standortthema, das selten Schlagzeilen macht. Jeder vermiedene Unfall bedeutet weniger Leid, weniger Kosten im Gesundheitssystem und weniger Ausfälle in den Betrieben. Der Besuch passte auch zum Thema des Tages: Belebte, gut gestaltete öffentliche Räume werden stärker genutzt, und das stärkt Sicherheit und Lebensqualität für alle.
Fazit: Zentren entstehen nicht von selbst
Ortskernbelebung gelingt, wenn private Entwickler, Gemeinde, Land und Betriebe an einem Strang ziehen. Hohenems zeigt, dass sich langer Atem auszahlt. Aus Leerstand wurden Adressen, und aus einer Durchzugsstraße wurde ein Ort zum Bleiben. Das ist Stadtentwicklung als Wirtschaftspolitik, und das Beispiel kann in vielen Vorarlberger Gemeinden Schule machen.
Unser Dank gilt Markus Schadenbauer für die Führung und die Einblicke, dem Team von Sicheres Vorarlberg für den Empfang sowie Monika Vonier, Hanno Lecher, Clemens Ender und Thomas Fussenegger für den gemeinsamen Tag. Hohenems ist ein Beispiel dafür, wie Zukunft gebaut wird – im wahrsten Sinn des Wortes.






