Wirtschaftspolitische Herausforderungen im Dialog
Steigende Energie- und Rohstoffkosten, der Fachkräftemangel, zunehmende Bürokratie sowie der Druck internationaler Lieferketten und der digitale Wandel stellen Vorarlberger Unternehmen aktuell vor erhebliche Herausforderungen. Gerade exportorientierte Familienbetriebe und Traditionsunternehmen spüren die Standortkosten und den internationalen Wettbewerbsdruck besonders deutlich.
Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl nahm diese Herausforderungen zum Anlass, mit zwei traditionsreichen Vorarlberger Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen ins direkte Gespräch zu treten. Ziel der Betriebsbesuche war es, ein realistisches Bild von den Anliegen der Vorarlberger Wirtschaft zu gewinnen und einen offenen Dialog zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern sowie der Politik zu führen – als Grundlage für praxisnahe wirtschafts- und finanzpolitische Weichenstellungen. Begleitet wurde die Staatssekretärin von Bundesrat und Wirtschaftsbund-Direktor Christoph Thoma, Vizebürgermeister Roland Frühstück und Wirtschaftsstadtrat Robert Vögel.
Die beiden Betriebe in der Landeshauptstadt Bregenz – der Glasverarbeiter Glas Marte und das Autohaus Lins – stehen exemplarisch für die Vielfalt und Innovationskraft des Vorarlberger Mittelstands: hochspezialisierte, international vernetzte Industrieproduktion auf der einen und ein regional verwurzelter Handels- und Dienstleistungsbetrieb mit Nähe zu den Menschen auf der anderen Seite. Staatsekretärin Eibinger-Miedl dazu:
„Der Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern vor Ort ist für mich unverzichtbar. Nur wer zuhört und den direkten Dialog sucht, kann die richtigen Entscheidungen in der Politik für unsere Betriebe treffen. Aus diesem Grund war es mir auch ein besonderes Anliegen, in den Verhandlungen zum Doppelbudget 2027/28, trotz der notwendigen Budgetkonsolidierung, gezielte Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts zu verankern. Mit der Senkung der Lohnnebenkosten um 1 %-Punkt, also zwei Milliarden Euro, setzen wir eine spürbare Entlastung für die Unternehmen im Land um. Gleichzeitig schaffen wir etwa mit der Aktivpension einen Anreiz, damit erfahrene Fachkräfte dem Arbeitsmarkt länger erhalten bleiben. Davon profitieren alle: Die Betriebe behalten wertvolles Know-how und langjährige Erfahrung im Unternehmen und die verdienten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten mehr Netto von ihrem Zuverdienst in der Pension.“
Glas Marte
1930 als Ein-Mann-Betrieb in Bregenz am Bodensee gegründet, hat Glas Marte sein Wissen mit heute rund 250 Mitarbeitenden um den vielseitigen Baustoff Glas sukzessive ausgeweitet und bietet heute eine breite Produktpalette. Das Unternehmen überzeugt mit intelligenten, benutzerfreundlichen Lösungen auf höchstem technischen Niveau – abgesichert durch Patente und den ständigen Austausch mit internationalen Experten, Universitäten und Fachverbänden. Das Portfolio reicht von Flach- und Isolierglas über variantenreiche Interieurs, mehrfach ausgezeichnete Schiebe- und Haltesysteme sowie filigrane Glas-Trennwand-Systeme und -Türen bis hin zu DIBt-geprüften Glasgeländern und konstruktivem Glasbau. Das Besondere: maximaler Glaseinsatz bei minimalem Konstruktionsanteil.
Im Dialog mit Spartenobmann Bernhard Feigl wurde klar, dass die Sparte Gewebe und Handwerk vor allem durch den anhaltenden Fachkräfte- und Lehrlingsmangel gefordert ist, der in technischen und handwerklichen Berufen besonders spürbar ist. Hinzu kommen hohe Energie- und Materialkosten, eine schwächelnde Baukonjunktur mit rückläufigen Auftragseingängen in einzelnen Gewerken sowie ein wachsender bürokratischer Aufwand bei Normen, Zertifizierungen und Förderabwicklung. Auch die ungeklärte Betriebsnachfolge in zahlreichen Familienbetrieben zählt zu den zentralen Anliegen, die die Sparte gegenüber der Politik einbringt.
Autohaus Lins
Das Autohaus Lins ist der Vorarlberger Partner für die Marken VW, Audi, SEAT, Škoda, Porsche, Cupra, Nutzfahrzeuge und das Weltauto. Mit Standorten in Bregenz, Dornbirn, Rankweil, Nüziders und Schruns ist das Unternehmen in ganz Vorarlberg präsent und regionaler Ansprechpartner für alle Marken der Volkswagengruppe.
Neben den allgemeinen Werkstätten bietet das Autohaus Lins mit eigenen Unfallspezialisten in Bregenz, Dornbirn und Nüziders Karosserie- und Unfallreparaturen aus einer Hand – inklusive Betreuung bei der Versicherungsabwicklung durch geschulte Fachkräfte. Die Weltauto- und Audi-Gebrauchtwagen-plus-Spezialisten unterstützen Kundinnen und Kunden zudem bei der Suche nach dem passenden Gebrauchtwagen.
Die Finanzstaatssekretärin nützte den Betriebsbesuch auch für einen ausführlichen Dialog mit Vorarlberger Fachgruppenobmann Rudi Lins und seinen beiden Stellvertreterinnen Karin Seyfried (Mercedes Schneider) und Nadja Malin-Potziner (Autohaus Malin). Im Automobilhandel dominiert derzeit die Transformation hin zur Elektromobilität die Diskussion: Betriebe investieren in Ladeinfrastruktur, Werkstattausrüstung und die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden, während unsichere Förderbedingungen und eine schwankende Nachfrage die Planungssicherheit erschweren. Zusätzlich belasten steigende Vorgaben und Investitionsdruck seitens der Hersteller, ein angespannter Gebrauchtwagenmarkt sowie die Sorge um sinkende Restwerte die Margen der Händler. Auch hier stellt der Fachkräftemangel, insbesondere bei Kfz-Technikerinnen und -Technikern, eine zentrale Herausforderung dar.