In der #vorarlbergerwirtschaft, unserem Magazin, haben wir in der Ausgabe #008 einen Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz gelegt. Das ist das vollständige Interview in Ergänzung zum Artikel auf Seite 21.
Beim CEO-Hackathon zu KI-Anwendungen ging es nicht um fertige Prototypen, sondern darum, dass Führungskräfte selbst zu Anwendern werden. Angelo Holzknecht, CEO von Hirschmann Automotive, hat danach mit uns über seine Eindrücke gesprochen – darüber, wie aus anfänglichem Interesse strategische Priorität wurde, und warum er Größe als Hebel statt als Ausrede versteht.
Ging es bei deinem „Use Case“ eher um Kosteneinsparung im Bestehenden – oder um Dinge, die vorher zu teuer oder zu langsam waren und jetzt plötzlich möglich erscheinen?
Klar um Effizienzsteigerung. Aber weniger Kostensparen am Bestehenden, mehr das, was durch KI plötzlich möglich wird – schneller, effizienter, wettbewerbsfähiger.
Ist im Hackathon eine klare Vorstellung entstanden, wohin sich dein Unternehmen mit KI entwickeln sollte – oder ist es bei einzelnen, isolierten Anwendungsfällen geblieben?
Beides – und genau das ist der Punkt. Der Hackathon hat an konkreten Anwendungsfällen begonnen, aber schnell ein größeres Bild sichtbar gemacht: KI nicht als Einzellösung, sondern als Fähigkeit, die wir breit im Unternehmen verankern müssen. Die einzelnen Use Cases sind für mich der Einstieg, nicht das Ziel.
Wie hast du dich während des Hackathons gefühlt: als Treiber des Themas, oder eher als Teilnehmer eines Programms, das andere für dich gestaltet haben?
Ich bin als Teilnehmer reingegangen – und als Treiber für meine Organisation wieder raus. Der Hackathon hat aus dem Interesse eine klare Überzeugung gemacht: Wir werden das Thema KI bei Hirschmann Automotive strategisch als Top-Priorität ansiedeln.
Was wirst du konkret tun, damit dein Team merkt, dass du dich selbst ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hast – nicht nur, dass du „dabei warst“?
Wir sind längst im Doing. Es bleibt nicht bei Ankündigungen: Mit der obersten Führungsmannschaft und mit ausgewählten Abteilungen haben wir bereits eigene Hackathons durchgeführt, um konkrete Anwendungsfälle zu finden. Wir stellen das Thema bewusst sehr breit in der Organisation auf – das ist das sichtbare Signal, dass es mir ernst ist.
Gab es im Hackathon einen Moment, in dem du etwas radikal in Frage gestellt hast, das du vorher für selbstverständlich gehalten hast?
Radikal in Frage gestellt weniger – für mich war der Hackathon vor allem ein echter Eye-Opener: Er hat mir gezeigt, dass mit KI viel mehr möglich ist, als ich angenommen hatte. Radikal höchstens in dieser Überzeugung: Ich bin heute sicher, dass KI in absolut jedem Admin-Bereich eine deutliche Hilfestellung bietet.
Hast du gespürt, dass kurze Wege und schnelle Entscheidungen in deinem Unternehmen ein Vorteil sein könnten – oder eher, dass Größe und Bürokratie dem im Weg stehen?
Klar ein Vorteil. Wir sind groß genug, um Wirkung zu erzielen, und gleichzeitig schlank genug für kurze Wege und schnelle Entscheidungen. Genau diese Kombination ist bei KI Gold wert – wer schnell ausprobiert, lernt und skaliert, ist im Vorteil. Größe nutze ich als Hebel, nicht als Ausrede.
Hat dir der Hackathon geholfen, konkret zu denken, wie frei werdende Ressourcen oder Kapazitäten sinnvoll woanders eingesetzt werden könnten – zum Beispiel näher am Kunden?
Ja. KI nimmt uns Routine- und Administrationsarbeit ab – und genau die Kapazitäten wollen wir dort einsetzen, wo sie Wert schaffen: näher am Kunden, in Entwicklung und Innovation, in der Qualität. So gewinnen wir Zeit, um neue Projekte, Kunden und Geschäftsfelder zu erschließen, und machen KI damit zu einem echten Wachstumstreiber.
Was ist dein erster konkreter Schritt nach dem Hackathon – bzw. bis wann willst du ihn gegangen sein?
Der erste Schritt ist bereits getan: Wir haben KI zur strategischen Top-Priorität gemacht und weitere Hackathons mit Führungsmannschaft und ausgewählten Abteilungen aufgesetzt. Parallel gehen wir in die Breite und schulen aktiv alle 3.000 User mit Windows-Zugang in den KI-Grundlagen – wir wollen die Technologie nicht abwarten, sondern sie im Unternehmen aktiv vorantreiben und zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags machen.