Energieautonomie+ 2030: Warum Vorarlbergs Energiestrategie vor allem Standortpolitik ist

26. Feb.. 2026 | Allgemein

© Foto: Eva Sutter

Energieautonomie+ 2030: Warum Vorarlbergs Energiestrategie vor allem Standortpolitik ist

26. Feb.. 2026 | Allgemein

Mit der Aktualisierung der Strategie „Energieautonomie+ 2030“ sendet Vorarlberg ein wichtiges Signal, das weit über Energie- und Klimapolitik hinausgeht. Denn im Kern ist diese Strategie vor allem eines: Wirtschafts- und Standortpolitik. Für ein Land mit starker Industrie, innovativem Gewerbe und vielen exportorientierten Betrieben ist Energie längst ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Es geht nicht nur darum, ob Energie erneuerbar ist, sondern ob sie auch sicher verfügbar und leistbar bleibt.

Landeshauptmann Markus Wallner betont im Pressefoyer vom 24. Februar, dass Energiepolitik dafür sorgen müsse, dass Energie sicher verfügbar, leistbar für Haushalte, wettbewerbsfähig für Industrie und Gewerbe sowie umweltfreundlich und klimaverträglich erzeugt wird. Diese Einordnung ist wirtschaftspolitisch bemerkenswert klar, weil sie das Spannungsfeld offen anspricht, das viele Betriebe seit den Energiepreisschocks der letzten Jahre unmittelbar beschäftigt. 

Auch unser Wirtschaftslandesrat Marco Tittler setzt mit seiner Aussage, eine stabile und verlässliche Energieversorgung sei ein Grundpfeiler für den Erfolg von Gesellschaft und Wirtschaft, den richtigen Akzent. Versorgungssicherheit ist eben keine abstrakte Kategorie, sondern eine zentrale Voraussetzung für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung.

Positiv ist, dass die Strategie nicht bei der Erzeugung erneuerbarer Energie stehen bleibt, sondern die eigentlichen Standortfragen stärker in den Blick nimmt: Netze, Speicher, Flexibilität und Infrastruktur. Für Unternehmen zählt am Ende nicht nur die Jahresbilanz erneuerbarer Stromproduktion, sondern ob Energie dann verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird, und zu welchen Kosten. Dass Themen wie Stromspeicherung, Pumpspeicherung, Batteriespeicher und Netzausbau nun stärker verankert werden, ist daher ein wichtiger Schritt. Gerade in einem zunehmend elektrifizierten Energiesystem entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit nicht allein an der Erzeugung, sondern an der Systemfähigkeit.

Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist die Strategie auch deshalb relevant, weil sie eine große Investitions- und Modernisierungsagenda beschreibt. Der Ausbau von Energieinfrastruktur, Nahwärme, Gebäudetechnik, Ladeinfrastruktur und Speichern schafft Wertschöpfung im Land und stärkt Handwerk, Bauwirtschaft, Planung und Energietechnik. Großprojekte wie das Lünerseewerk II stehen dabei sinnbildlich für eine Politik, die nicht nur Ziele formuliert, sondern in die strukturelle Zukunftsfähigkeit des Standorts investieren will. Gleichzeitig zeigt die Strategie mit der Verschiebung einzelner Wasserkraftprojekte auch Realismus: Transformation verläuft nicht geradlinig, sondern verlangt Prioritäten und Anpassungsfähigkeit.

Besonders wichtig ist zudem der industriepolitische Zugang bei der Prozessenergie. Die Strategie anerkennt, dass es für die Umstellung industrieller Prozesse keine Einheitslösung gibt und dass unterschiedliche Technologien je nach Temperaturbedarf und Anwendung nötig sind. Diese Technologieoffenheit ist standortpolitisch richtig, weil sie Unternehmen nicht in starre Pfade zwingt, sondern Innovation und praxistaugliche Lösungen ermöglicht. Entscheidend wird nun sein, dass aus dieser Offenheit rasch verlässliche Rahmenbedingungen werden – bei Förderungen, Genehmigungen, Netzzugang und Kostenperspektiven.

Insgesamt ist die aktualisierte Energieautonomie+ 2030 ein überzeugender Versuch, Energiepolitik als moderne Standortpolitik zu gestalten. Die Aussagen von Markus Wallner und Marco Tittler zeigen eine Richtung, die für Vorarlberg entscheidend ist: Es geht nicht um ein Gegeneinander von Wirtschaft und Klimaschutz, sondern um eine Strategie, die Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Erneuerbarkeit zusammenführt. Damit ist ein wichtiger Rahmen gesetzt. Ob daraus ein echter Standortvorteil wird, entscheidet sich jetzt an der Umsetzung – bei Infrastruktur, Tempo und Planbarkeit.

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