„Vorarlberg braucht weitere Impulse“

9. Apr. 2021 | Allgemein

© Foto: Wirtschaftsbund Vorarlberg

„Vorarlberg braucht weitere Impulse“

9. Apr. 2021 | Allgemein

WKV-Präsident Hans Peter Metzler im Gespräch über die Öffnung der Vorarlberger Gastronomie, Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft und künftige Impulse durch den Dis.Kurs Zukunft.

Herr Präsident, wie beurteilen Sie die Modellregion Vorarlberg?
Die Modellregion Vorarlberg mit den regionalen Öffnungsschritten funktioniert, ich halte daher nichts davon, an diesemErfolgsprojekt zu rütteln. Die regionalen Spielräume in Zeiten dieser Pandemie müssen unbedingt beibehalten werden. Vorarlberg beweist, dass es im Zusammenspiel aller möglich ist. Auch wenn die Zahlen osternbedingt jetzt steigen, ist eines klar, sie haben nichts mit der Gastroöffnung zu tun. Ich darf daran erinnern, dass Ende Oktober kurz vor dem sanften Lockdown die Gastronomie und Hotellerie zusammen nur an ca. 3-4 Prozent der Infektionen beteiligt waren und das OHNE Zutrittstests. Die Clusterbildungen liegen im privaten Bereich.

Welche Faktoren sind dafür verantwortlich?
Es sind mehrere Faktoren, die hier ineinandergreifen. Die Unternehmen haben mit durchdachten Sicherheitsund Hygienekonzepten einen großen Beitrag dazu geleistet, zudem erleben wir derzeit ein noch hohes Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung. Die Beziehung Unternehmen und Kunde bzw. Gast auf Vorarlberg Art funktioniert weiterhin sehr gut. Loben muss man auch die Verantwortungsträger des Landes für ihren Mut, die Modellregion gegenüber dem Bund durchzusetzen. Das Vorarlberg-Projekt hat auch die Clusterbildung im Leiblachtal ausgehalten, weil rasch und professionell reagiert wurde.

Auch die Testungen sind ein wichtiger Baustein…
Die Geschichte der Testungen in Vorarlberg ist dieGeschichte eines Erfolges. Zwischen Montag, den 29. März, bis Sonntag, den 4. April, wurden die kostenlosen Testmöglichkeiten mehr als 150.000 Mal in Anspruch genommen, zehn Prozent mehr als in der Woche zuvor. Keine andere Region in Europa hat ein so dichtes Testprogramm. Vorarlberg testet knapp doppelt so viel wie das nächstbeste Bundesland und knapp 60 Prozent mehr wie der Österreichschnitt. Allen Beteiligten gebührt ein ausdrückliches Lob, den Verantwortlichen im Land für die Bereitstellung des Testangebots, den Bürgern für die breite Nutzung desselben. Die Modellregion funktioniert, weil die Menschen in diesem Land – ein Ziel vor Augen in hohem Maße Eigenverantwortung beweisen.

Wie wird es Ihrer Meinung nach weitergehen?
Woche für Woche erhalten mehr und mehr Menschen die Impfung. Auch das wird künftig zu weniger Einschränkungen führen. Ich plädiere bei der Pandemiebetrachtung nicht nur die Inzidenz-Zahlen starr im Blick zu haben, sondern eben auch die Situation in den Krankenhäusern, wie von Experten immer wieder empfohlen, zu berücksichtigen. Zudem soll ja die Vorarlberger Teststrategie auf andere Bundesländer ausgerollt werden. Es gilt sich weiter an die Maßnahmen zu halten, dann wird man sich auch dem Druck für einen bundesweit einheitlichen Lockdown entziehen und eventuell sogar weitere regionale Verbesserungen erwarten können. Das muss unser aller Ziel sein. Testen, impfen, eigenverantwortlich handeln, solidarisch agieren, aber endlich auch eine Perspektive vor Augen zu haben. Das alles kann Vorbildwirkung für weitere Lockerungen haben und uns einen positiven Ausblick auf den Sommer bieten.

Wir sind weit davon entfernt, die Krise auch wirtschaftlich im Griff zu haben. Rasche und effektive Unterstützung ist also weiter dringend notwendig?
Es ist ein Gebot der Stunde, dass die Politik die Unterstützungsleistungen laufend adaptiert und weiter nachschärft. Nun wurde angekündigt, dass die aus dem März bekannte Erhöhung des Ausfallsbonus auch im April gelten soll. Damit kommt die Bundesregierung unserer Forderung nach, Krisenunterstützung für die heimischen Betriebe zielgerichtet nachzuschärfen. Denn wiederkehrende Lockdown-Phasen und krisenbedingter Ausnahmezustand zehren permanent an der Substanz unserer Betriebe, dafür ist eine schnelle und vor allem zielorientierte Unterstützung unentbehrlich. Die Verlängerung des aufgestockten Ausfallsbonus für April braucht es, um unseren Betrieben den Rücken zu stärken, damit wird für mehr finanzielle Planbarkeit gesorgt. Nur so können wir über die Krise kommen.

Um Unterstützung der Krise anzubieten hat die Wirtschaftskammer vergangenes Jahr auch den Stab der Vorarlberger Wirtschaft geschaffen…
Zehnmal hat sich inzwischen unser Stab der Vorarlberger Wirtschaft getroffen. Ziel ist es, stets gemeinsamden Blick auf die aktuellen Entwicklungen zu intensivieren, die Koordination untereinander auszubauen und letztendlich verbindlich vorzugehen. Wir konnten dabei Maßnahmen für die Lehrlingsausbildung setzen, gemeinsame Aktivitäten zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft weiter vorantreiben, Kooperationen mit Standortpartnern intensivieren und wertvolle Impulse anerkannter Fachexperten in unsere Arbeit einfließen lassen.

Auch der Strategieprozess Dis.Kurs Zukunft soll wertvolle Impulse für den Aufschwung der Wirtschaft liefern.
Ja, unseren Strategieprozess werden wir engagiert weiterführen. Ganz im Sinne unserer Unternehmen und des Wirtschaftsstandortes Vorarlbergwerden wir an den Projekten intensiv weiterarbeiten und neue auf den Weg bringen. Vorarlberg braucht weitere Impulse.

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