Telemedizin in Vorarlberg – visit-e

9. Apr. 2021 | Allgemein

© Foto: Wirtschaftsbund Vorarlberg

Telemedizin in Vorarlberg – visit-e

9. Apr. 2021 | Allgemein

Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass ein schneller Zugang zu medizinischer Hilfe auch und gerade bei erhöhtem Infektionsrisiko besonders wichtig ist.

Bereits während des ersten Lockdowns im Frühling 2020 hat es die Österreichische Gesundheitskasse ihren Vertragspartnerinnen und -partnern ermöglicht, telemedizinische Behandlungen abzurechnen. Aufgrund der positiven Rückmeldungen von Versicherten sowie Vertragspartnerinnen und -partnern haben ÖGK, Ärztinnen und Ärzte sowie IT-Partner das System visit-e erarbeitet. Es ermöglicht einen einfachen und sicheren Zugang zu telemedizinischen Leistungen. Diese digitale Versorgung soll auch nach der Pandemie weitergeführt werden. ÖGK und Ärztekammer Vorarlberg haben den entsprechenden Vertrag bereits unterzeichnet.

Telefonische Arztkonsultationen bei Vertragsärztinnen und -ärzten waren in Vorarlberg in einem eingeschränkten Rahmen bereits vor Covid-19 möglich. Mit dem Auftreten der Pandemie hat die ÖGK ihre telemedizinischen Angebote erweitert. Einerseits um das Infektionsrisiko zu minimieren und andererseits um die Vertragsärztinnen und -ärzte vor einer Ansteckung zu schützen. Neben der Krankenbehandlung umfasst das telemedizinische Angebot der ÖGK derzeit auch die telefonische Krankmeldung und das E-Rezept.

visit-e garantiert die Einhaltung hoher Standards hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit. Das System wird Vertragspartnerinnen und -partnern von der ÖGK kostenlos zur Verfügung gestellt. Einige Ordinationen haben visit-e im Rahmen eines Probebetriebs bereits getestet. Ziel ist es, das System im Lauf des Jahres allen Vertragsärztinnen und -ärzten zur Verfügung zu stellen.

Die Beteiligung bzw. Inanspruchnahme von visit-e bringt für alle Seiten Vorteile:

Für Versicherte

  • Ortsunabhängige Behandlung, Vermeidung von Wegzeiten und Wartezeiten in Ordinationen
  • Verminderung des Infektionsrisikos
  • Benutzerfreundlich (auch mittels mobiler Geräte)
  • Sicherstellung der Sachleistungsversorgung

Für Vertragsärztinnen und -ärzte

  • Verbesserung im Ordinationsmanagement (keine überfüllten Wartezimmer)
  • Entlastung durch den Wegfall von Visiten
  • Kostenloses System und keine Abhängigkeit von privaten Anbietern
  • Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der ärztlichen Bedürfnisse

„Mit visit-e ist es uns gemeinsam mit der Ärztekammer gelungen, ein Angebot zu schaffen, mit dem unsere Versicherten ihren Arzt bzw. ihre Ärztin kontaktlos und niederschwellig erreichen können. Besonders auch chronisch Kranke können davon enorm profitieren“, beschreibt Dr. Jürgen Kessler, Vorsitzender des Landesstellenausschusses in Vorarlberg, Vorteile von visit-e. „Das System ist eine gute Ergänzung zu unseren bereits bestehenden Angeboten wie die elektronische Krankschreibung oder das e-Rezept.“

„Seitens der Ärzteschaft begrüßen wir es, dass es endlich gelungen ist, mit der Sozialversicherung zu vereinbaren, dass die Erbringung telemedizinischer Leistungen der gewohnten Leistungserbringung in der Ordination gleichgestellt wird. Telemedizin hat – bedingt durch die Covid-19-Pandemie – eine stärkere Bedeutung bekommen, viele Behandlungen/Untersuchungen können aber auch weiterhin nur in den Ordinationen durchgeführt werden. Speziell im Bereich der Gesprächsmedizin ist Telemedizin jedoch eine wertvolle Ergänzung zum gewohnten Ordinationsbetrieb, weil beispielsweise Untersuchungsergebnisse mit dem Patienten telefonisch oder per Video besprochen werden können“, führt MR Dr. Burkhard Walla aus. „Das von der Sozialversicherung zur Verfügung gestellte visit-e-Videokonferenzsystem ist ein erster Schritt – Ziel muss es jedoch sein, dass die Sozialversicherung auch ein Kommunikationstool entwickelt, mit dem Ärzte mit ihren Patienten gesichert schriftlich kommunizieren können“, so Burkhard Walla abschließend.

Der Einsatz telemedizinischer Leistungen unterliegt klaren Regelungen bzw. Voraussetzungen:

  • Die telemedizinische Leistung muss ärztlich vertretbar sein, berufsrechtlich zulässig, zweckmäßig und genauso erfolgsversprechend wie eine persönliche Leistungserbringung. Die erforderliche ärztliche Sorgfalt sowie der Datenschutz müssen eingehalten werden.
  • Der Vertragsarzt ist nicht verpflichtet, telemedizinische Leistungen anzubieten.
  • Eine telemedizinische Leistung darf nur mit ausdrücklicher Einwilligung des Patienten erbracht werden. 
  • Telemedizinische Behandlungen sind grundsätzlich nur bei dem Arzt bekannten Patientinnen und Patienten zulässig.
  • Telemedizinische Leistungen dürfen nur erbracht werden, wenn beim Patienten die Voraussetzungen – einschließlich infrastruktureller Voraussetzungen – für eine telemedizinische Behandlung erfüllt sind und der Patient geistig und körperlich in der Lage ist, an der telemedizinischen Versorgung mitzuwirken.
  • Um eine größtmögliche Benutzerfreundlichkeit für den Patienten zu gewährleisten, ist – falls nicht visit-e zum Einsatz gelangt – ein System zu wählen, welches auch für mobile Geräte (z.B. Smartphone, Tablet, Laptop etc.) anwendbar ist. Bei der Wahl des Systems muss die Benutzerfreundlichkeit ein wesentliches Kriterium sein.
  • Telemedizinische Leistungen werden grundsätzlich im Rahmen der geltenden Honorarordnung in gleicher Höhe bezahlt, wie wenn die Leistung ohne Zuhilfenahme telemedizinischer Methoden erbracht würde und so, als wenn die Leistung in der Ordination erbracht worden wäre. Eine Zuzahlung zum Kassenhonorar für die telemedizinische Erbringung der Leistung ist nicht zulässig.
  • Die Verordnung von Medikamenten im Rahmen telemedizinischer Behandlungen erfolgt ebenfalls elektronisch – derzeit via „e-Medikation“ und sobald implementiert, via e-Rezept.

Überweisungen, Zuweisungen sowie Verordnungen von Heilbehelfen und Hilfsmitteln sollen, wenn möglich, auch ohne direkten Patientenkontakt übermittelt werden, soweit das datenschutzrechtlich einwandfrei möglich ist. Um diesen Prozess zu optimieren, ist geplant, ebenfalls entsprechend praktikable Systeme zu entwickeln und zu vereinbaren.

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